Episode 2 - Die Handwerkskammer München wollte mich verklagen – wegen meiner Expertise

Shownotes

Haltung gegen Inkompetenz – Mein Konflikt mit der HWK In der heutigen Folge von KAPITAL.FEHLER wird es persönlich. Ich erzähle dir, wie eine fachliche Prüfung eines Businessplans fast in einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Handwerkskammer (HWK) München endete.

Was du in dieser Folge lernst:

Der Fall HWK München: Warum ein offizieller Beratungs-Stempel kein Garant für eine Bankzusage ist.

Anatomie eines Scheiterns: Die konkreten fachlichen Fehler (Annuität vs. Rate, KfW-Logik, Zweckbindung), die zur Ablehnung durch die Bank führten.

Einschüchterung vs. Expertise: Mein Erlebnis mit der Geschäftsführung und warum ich eine Klage ausdrücklich begrüßt hätte.

Das Problem der "offiziellen" Beratung: Warum Kammern und Steuerberater oft keine Spezialisten für komplexe Unternehmensfinanzierungen sind.

Haltung als Strategie: Warum du Inhalte hinterfragen musst, um als Unternehmer bei Banken ernst genommen zu werden.

Die Kernbotschaft: Banken reagieren nicht pädagogisch auf Fehler, sondern mit einer Absage. Wer sein Business wirklich skalieren will, darf sich nicht auf Titel verlassen, sondern muss seine Prozesse und Finanzierungslogiken im Detail verstehen.

Kontakt & Feedback: Hast du ähnliche Erfahrungen mit offiziellen Beratungsstellen gemacht? Schreib mir auf LinkedIn oder hinterlasse einen Kommentar!

Transkript anzeigen

Episode 2 – Haltung gegen Inkompetenz

Markus Hemmelmann: Die Handwerkskammer München wollte mich verklagen – wegen meiner Expertise.

Ich hatte einen Businessplan auf dem Tisch. Erstellt im Rahmen einer Gründungs- und Finanzierungsberatung durch die Handwerkskammer München. Öffentliche Institution. Vertrauensvorschuss. Der Gründer war überzeugt, er sei gut aufgestellt. Stempel drauf, Beratung durchlaufen, jetzt ab zur Bank. Doch leider hat die Bank abgelehnt.

Ich habe mir das Dokument angesehen — und nach wenigen Minuten war klar: Mit dieser Unterlage wird keine Bank dieser Welt eine Finanzierung genehmigen. Nicht vielleicht. Sicher nicht. Nicht, weil das Geschäftsmodell schlecht gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Die Voraussetzungen waren gut. Tragfähig. Realistisch. Kein Luftschloss. Genau deshalb war es so bitter. Denn die Fehler waren nicht klein. Sie waren fundamental.

Eigentlich war es schwieriger, eine Absage zu bekommen als eine Zusage.

Annuitätendarlehen wurden mit Ratendarlehen verwechselt. Förderkredite behandelt, als könnte man sie beliebig strukturieren. Laufzeiten passten nicht zu den Programmen. Betriebsmittel und Investitionsmittel wurden vermengt, als gäbe es keine Zweckbindung. Die KfW-Logik wurde ignoriert. Sicherheiten oberflächlich erwähnt, aber nicht sauber hergeleitet. Der Businessplan war schlüssig gerechnet, aber fachlich falsch gedacht.

Und das ist der tödlichste Fehler in der Unternehmensfinanzierung.

Ich habe diese Punkte benannt. Fachlich. Belegt. Ohne Emotion. Ohne Polemik. Ich habe erklärt, warum genau diese Fehler nicht diskutierbar sind, weil sie keine Meinung sind, sondern Regelverstöße. Und ich habe deutlich gesagt, dass es unverantwortlich ist, Menschen mit echtem Gründungswillen so eine Unterlage in die Hand zu drücken, wissend, dass sie damit scheitern werden.

Kurz danach meldete sich die Handwerkskammer München bei mir. Man bat um ein Telefonat. Ich dachte: Okay. Einsicht. Vielleicht ein klärendes Gespräch. Fehlanzeige. Das Gespräch war eine Katastrophe. Einsicht überhaupt nicht. Ich dachte mir, ok, dann nutze ich mal LinkedIn und berichte von dem Fall.

Einen Tag später kontaktierte mich die Handwerkskammer München nochmals. Nicht irgendwer, sondern jemand aus der Geschäftsführung persönlich. Ich habe den Fall geschildert. Ruhig. Sachlich. Punkt für Punkt. Ich habe erklärt, warum diese Beratung fachlich mangelhaft war und welchen Schaden sie beim Gründer angerichtet hat. Und dann kippte das Gespräch. Statt fachlicher Auseinandersetzung kam eine Drohung.

Man stellte eine Klage in Aussicht. Man forderte, dass ich meine Aussagen revidiere. Nicht, weil sie falsch wären. Sondern weil sie öffentlich waren. In diesem Moment war klar, worum es wirklich ging. Nicht um Qualität. Nicht um den Gründer. Sondern um Autorität.

Ich habe darauf nicht klein beigegeben. Im Gegenteil. Ich habe gesagt: Bitte gehen Sie diesen Schritt. Ich würde es ausdrücklich begrüßen, wenn diese Sache vor Gericht landet. Denn dann entscheidet kein Titel — sondern ein unabhängiger Gutachter über die Qualität der Arbeit der Beratungsstelle der Handwerkskammer München. Danach wurde es still. Eine Klage kam nie.

Handwerkskammern und IHKs haben ihre Berechtigung. Aber sie sind keine High-End-Berater für Unternehmensfinanzierung. Sie sind keine Corporate-Finance-Spezialisten. Sie sind keine M and Äy-Berater. Das Problem entsteht, wenn diese Grenze verschwimmt. Wenn Gründer glauben, sie hätten eine professionelle Unterlage, nur weil ein offizieller Absender draufsteht.

Banken reagieren nicht pädagogisch. Sie sagen nicht: Der wusste es halt nicht besser. Sie sagen: Hier stimmt etwas nicht. Und dann ist das Thema erledigt.

Glaubt nichts, nur weil es offiziell klingt. Hinterfragt Inhalte. Haltung im Business ist kein Ego-Thema. Haltung ist Überlebensstrategie. Wer Haltung zeigt, signalisiert Banken, dass er sein Geschäft versteht.

Folge diesem Podcast für mehr Einblicke aus der Praxis. Bei KAPITAL.FEHLER.

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