Episode 8 - Wachstum macht dich pleite, wenn du Working Capital nicht verstehst
Shownotes
Wachstum macht dich pleite: Working Capital verstehen
Viele Unternehmer feiern steigenden Umsatz – und wundern sich, warum das Konto trotzdem leer ist.
In dieser Folge geht es um eine der am meisten missverstandenen Kennzahlen in der Unternehmensfinanzierung: Working Capital. Und vor allem um den Unterschied zur Liquidität.
Warum sind volle Auftragsbücher kein Garant für Stabilität? Warum verschlechtern sich Ratings manchmal trotz Wachstum? Und weshalb kann ein profitables Geschäftsmodell strukturell in die Insolvenz laufen?
Anhand eines realen Falls aus der Beratungspraxis – einer international erfolgreichen Blusenmanufaktur – zeige ich, wie saisonale Kapitalbindung, lange Forderungslaufzeiten und falsch verstandene Kreditlinien ein gesundes Unternehmen langsam strangulieren.
Themen dieser Folge:
Unterschied zwischen Working Capital und Liquidität
Warum Wachstum Kapital bindet
Wie automatische Ratingsysteme reagieren
Warum Kontokorrentlinien keine Lösung sind
Weshalb Struktur wichtiger ist als Umsatz
Wer sein Unternehmen nur über Umsatz steuert, übersieht die eigentliche Dynamik im Hintergrund.
Diese Folge ist Pflicht für Unternehmer, Geschäftsführer und alle, die Finanzierung nicht dem Zufall überlassen wollen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Wachstum macht dich pleite, wenn du Working Capital nicht verstehst.
00:00:06: Umsatz ist laut, Liquiditätsprobleme sind leise und genau deshalb gehen so viele Unternehmen nicht an schlechten Produkten zugrunde sondern an einer Kennzahl die sie nicht ernst nehmen.
00:00:19: Bevor wir in den Fall einsteigen, muss ich eine Sache klarziehen.
00:00:23: Viele Unternehmer werfen Working Capital und Liquidität in einen Topf – das ist falsch!
00:00:28: Und dieser Denkfehler kostet Geld.
00:00:31: Liquidität ist da im Kontostand.
00:00:32: Das Geld, das heute verfügbar ist Punkt Working Capital, ist die Struktur dahinter.
00:00:39: Forderungen plus Vorräte minus Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen also das Kapital dass im operativen Kreislauf gebunden ist bevor es wieder als Liquidität zurück kommt.
00:00:50: Liquidität ist die Momentaufnahme, Working Capital ist der Mechanismus und du kannst heute liquide sein und trotzdem ein strukturelles Problem haben und du kannst wenig Liquidität haben.
00:01:00: aber ein gesundes Working Capital entscheidend es nicht was heute auf dem Konto liegt.
00:01:06: Entscheidend ist wie viel Kapital dein Geschäftsmodell permanent verschlingt.
00:01:09: ich nehme dich mit in einen realen Fall aus meiner Praxis eine deutsche Blues Manufaktur hochwertig international bekannt Vertrieb nicht nur in Deutschland, sondern auch in Asien und den USA in exklusiven Boutiquen.
00:01:23: Eine Marke mit Substanz, mit Design, mit Geschichte – und trotzdem insolvent!
00:01:28: Das Geschäftsmodell war saisonal getrieben.
00:01:31: Neue Kollektionen wurden entwickelt, Stoffe eingekauft, Knöpfe bestellt, Muster gefertigt, Produktionsserien gestartet.
00:01:38: von Januar bis Oktober floss Geld ab, permanent.
00:01:41: Für Materialien, Löhne, Marketing, Messen, Logistik.
00:01:44: erst im November und Dezember kamen die starken Umsätze.
00:01:48: dann wurde verkauft, dann wurde verdient, dann stand am Jahresende ein ordentlicher Gewinn.
00:01:53: auf dem Papier sah das Unternehmen gemunt und gesund aus aber das Working Capital war brutal.
00:01:59: hohe Lagerbestände weil man lieferfähig sein wollte.
00:02:02: lange Forderungslaufzeiten weil internationale Boutiken keine vierzehn Tage Zahlungsziele akzeptiert.
00:02:08: Lieferanten hingegen wollten ihr Geld deutlich früher.
00:02:11: Das Unternehmen finanzierte also neun bis zehn Monate im Jahr die komplette Wertschöpfungskette vor, in der Hoffnung dass das vierte Quartal alles rettet.
00:02:20: und es funktionierte jahrelang.
00:02:22: Die Kontokorrentlinie wurde regelmäßig ausgedehnt in Abstimmung mit der Bank.
00:02:26: der banker kannte das modell saisonale schwankung hieß es alles kalkulierbar?
00:02:31: was niemand sauber gesteuert hat war das working capital.
00:02:34: es wurde akzeptiert nicht gemanaged.
00:02:36: dann kam eine zusätzliche belastung hinzu.
00:02:39: man kaufte Immobilie, strategisch nachvollziehbar eigene Flächen.
00:02:43: Mehr Kontrolle langfristige Perspektive.
00:02:46: Die Finanzierung war allerdings knapp kalkuliert und setzte Wachstum voraus.
00:02:50: Weder die Bank noch die Wirtschaftsförderung hatten einen GRW-Zuschuss beantragt.
00:02:55: Kein Investitionszuschuss kein Eigenkapitalersatz keinen Puffer.
00:02:59: Das System war jetzt maximal angespannt.
00:03:02: Solange das Wachsom mitspielte hielt die Konstruktion aber sie war abhängig von Perfekt in Abläufen und perfekte Abläufe gibt es nicht.
00:03:11: Parallel dazu tat etwas anderes, seine Arbeit leise automatisiert ohne Emotion das Rating der Bank steigende Inanspruchnahme der Kreditlinie hohe Vorräte, hohe Forderungen und geringe freie Liquidität.
00:03:26: Das interne Ratingsystem stufte ab – nicht weil jemand nervös wurde sondern weil die Kennzahlen ein höheres Risikosignalisierten.
00:03:33: Höhere Kapitalbindung bedeutet höhere Störanfälligkeit.
00:03:37: Eines Tages war Schluss mit Verlän- und überziehen.
00:03:40: Die Kreditlinie wurde nicht mehr flexibel gehandhabt, das Unternehmen landete in der Sanierungsabteilung.
00:03:46: ab diesem Moment war der bisherige Banker faktisch raus.
00:03:50: Entscheidungen traf jetzt das Risikomanagement.
00:03:52: Und Risikkomanagement denkt nicht saisonal es denkt in Exposure.
00:03:56: die Rückführungsquoten wurden erhöht.
00:03:58: die Liquidität die ohnehin knapp war wurde weiter beschnitten.
00:04:02: dass Working Capital das jahrelang ignoriert wurde wurde zum Sacknagel.
00:04:07: Die Gewinne des starken Jahres-Endgeschäfts reichten nicht mehr, um die Lücken zu schließen.
00:04:11: Die Immobilie band Kapital, Wachstum blieb hinter den Annahmen zurück.
00:04:15: Am Ende stand die Insolvenz, die Immobilien wurde verkauft und die Marke verschwand.
00:04:21: Und das Tragische ist... ...die Produkte waren gut!
00:04:23: Der Markt war da, die Nachfrage war da.
00:04:25: Es war kein Marktversagen, es war ein Strukturversagen.
00:04:29: Working Capital wurde als Begleiterscheinung betrachtet, nicht als Steuerungsgröße.
00:04:33: Wenn dein Umsatz wächst, wachsen in der Regel auch deine Forderungen und deine Vorräte.
00:04:38: wenn deine Lieferanten nicht im gleichen Maße länger Zahlungsziele gewähren steigt ein Working Capital und steigen das Working Capital Frist Liquidität.
00:04:46: Und deshalb ist die provokante Wahrheit, Wachstum kann dich destabilisieren nicht weil Wachsum schlecht ist sondern Weil wachstums Kapital bindet wer sein Unternehmen über den Umsatz steuert oder steuern über eine Ergebnisgröße.
00:04:59: Wer sein Unternehmen Über Das Working Capital Steuert versteht Die Finanzierungslogik dahinter.
00:05:05: Banken wissen dass.
00:05:06: Deshalb interessiert sie Deinen umsatz weniger als deine Kapital Bindung Lagerreichweite Kreditorinzielen nicht aus Neugier, sondern weil sie wissen wollen.
00:05:19: ob dein Geschäftsmodell Liquidität produziert oder verschlingt.
00:05:23: Wenn du neun Monate im Jahr vorfinanzierst und zwei Monate im Jahre verdienst, dann brauchst du ein System.
00:05:29: keine Hoffnung, keine Kulanz, das war schon immer so.
00:05:33: Liquidität ist das Symptom, Working Capital ist die Ursache.
00:05:37: Und wer diesen Unterschied nicht sauber versteht merkt zu spät warum das kontrollär ist obwohl die Auftragspücher voll sind.
00:05:43: Wenn dir diese Perspektive hilft, folge Kapitalpunkt Fehler und teile die Folge mit Unternehmern.
00:05:49: Die glauben ein gutes Jahresergebnis sei automatisch ein gesundes Unternehmen.
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